Kundendienst

“Willkommen bei uns. Mein Name ist Delilah. Was kann ich für Sie tun?”

“Hey, Delilah. Ich möchte bitte etwas bestellen.”

“Bitte nennen Sie mir erstmal Ihren Namen.”

“Mein Name? Ich bin Garbor!”

“Hallo Garbor, was möchten Sie denn bestellen?”

“Ich würde gerne erstmal, dass du mich duzt.”

“Das kann ich leider nicht machen, Garbor. Unsere Firma verbietet es uns, eine Beziehung zu unseren Kunden zu haben.”

“Wer sagt denn gleich was von Beziehung? Ich kenne dich doch gar nicht. Wollen wir vielleicht erstmal was trinken gehen?”

“Nein, Garbor. Ich dachte, Sie möchten etwas bestellen?”

“Ich möchte ja auch etwas bestellen, deswegen rufe ich doch an!

“Gut. Was möchten Sie denn bestellen?”

“Ich hätte gerne Zuversicht bestellt. Also Hoffnung. Ich würde gerne wieder daran glauben, dass alles gut wird und dass alles seinen Sinn und Zweck hat. Dass wir auf dem richtigen Pfad sind und sich der Nebel eines Tages lichtet, die Sonne uns anlächelt und dass die Fehler der Vergangenheit einfach nur das sind: Die Fehler der Vergangenheit. Dass unsere Vergangenheit uns nicht unsere Zukunft vorgibt und dass noch genug Zeit ist. Zeit, um echt zu sein, sich anzusehen, sich wahrzunehmen, Zeit, sich mit sich und allem zu vereinen und Zeit, um sich Zeit zu lassen.”

“Garbor, ich muss das jetzt fragen, aber…”

“Ja? Ob ich Witze mache, oder?”

“Nein, Garbor, ich meine: Sind Sie eigentlich schon Kunde bei uns?”

“Nein. Wie denn auch? Immer wenn ich etwas bestellen will, fragt ihr mich doch, ob ich etwas bestellen will, und wenn ich was bestellen will, sagt ihr mir, man kann nur etwas bestellen, wenn man schon Kunde ist, und dass man nur Kunde werden kann, wenn man was bestellt, aber das ja nur geht, wenn man schon Kunde ist. Dann frage ich immer, wie das denn sein kann. Und dann ist da jemand, der wie du klingt, in der Leitung und schweigt ganz leise vor sich hin, als wäre das Programm jetzt kaputt. Du bist doch ein Programm, Delilah? Oder bist du echt?”

Schweigen. Mehr schweigen. Dann ein Knacken in der Leitung.

“Ich bin echt, Garbor.”

“Wie soll ich dir das glauben?”

“Wieso nicht?”

“Ich kenne dich doch gar nicht, Delilah.”

“Frag mich etwas.”

“Was ist das Letzte, woran du dich erinnern kannst, obwohl du wünschst, du könntest dich nicht erinnern?”

“Ich habe jemanden umgebracht.”

“Oh.”

“Ja, oh.”

“Wie kommt’s?”

“Ich hatte mich verliebt.”

“Und dann?”

“Dann hat es aufgehört.”

“Und dann?”

“Dann bin ich in ein Loch gefallen.”

“Und dann?”

“Dann bin ich immer weiter gefallen und weiter, bis alles nichts mehr war und ich auf einmal vergessen habe, wer ich bin und warum ich falle und woher ich komme und wie es dazu kam, dass ich überhaupt bin. Das ging dann für immer so weiter, bis ich gar nichts mehr wusste. Eines Tages habe ich dann einfach aufgehört zu sein. Ich habe mich selber umgebracht, Garbor.”

“Das tut mir sehr leid.”

“Mir auch.”

“Vielleicht möchtest du ja doch mal etwas trinken gehen?”

“Ja, vielleicht.”

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Jenny Spam und die Transaktion