Vergißneindich

Lieber Moe. Heute vor 16 Jahren bist du gegangen. Einen Schritt weiter als wir, einen Schritt weg aus dem Licht und fort von mir. Aber dein Du wohnt in meinem Ich, weil mein Ich ohne dein Du ganz und gar anders wäre. Meine Welt, meine Erinnerungen, mein Heute wären ohne unser Gestern ein anderes.

Wir haben den Monitor deines Vaters mit einem Ventilator gekühlt, nachdem wir an seinem Computer Red Baron gespielt haben. Wir haben den Veuve deiner Mutter getrunken, nachdem wir zu viert nachts an die Ostsee gefahren sind. Wir haben 720° Aerials gemacht, 50-50 Grinds im Warenhaus, haben Drachen bezwungen, sind mit 200 km/h über die Curbs gefahren — nie hat eine PlayStation mehr Jungen Nacht-ein-Nacht-aus in ihren Bann gezogen. Wir sind mit dem Cabriolet durch Deutschland, Belgien, Frankreich und Spanien gefahren, haben vor einem brennenden Wohnwagen gestanden und gestaunt. Basketball gespielt, Wu-Tang gehört und in Holland Bong geraucht. Wir sind nachts durch Seattle gezogen, in einer Welt, die du entworfen hast, Chummer. Im Cyberspace, im Herzen der Renraku-Archologie, den Redmond Barrens. Ich habe auf deiner Couch geschlafen und in deinem Bett; wir haben miteinander getanzt, gelacht, gestritten und gekotzt.

Du hast mich abgeholt, als meine Eltern an meinem Geburtstag Gläser an den Kopf warfen und mit mir unseren Freund begraben. Ich habe meine gesamte Jugend an deiner Seite verbracht, und wir sind zusammen erwachsen geworden. Glaub bloß nicht, nur weil du tot bist, gehst du nicht den Rest meines Lebens an meiner Seite. Du bist meine Erinnerung, die ich niemals vergessen kann, weil du in mir lebst.

Ich liebe dich sehr.

Dein Freund,
Garbor

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