Jenny Spam und die Transaktion

Es ist Freitagabend in der Stadt, die uns unsere Unschuld raubte und die der Dünne nur “Das Gestern” nennt, weil es – ach, das ist ja eine ganz andere Geschichte. Jedenfalls macht es blipp und die rote 1 über dem Symbol löst einen klitzekleinen Dopamin-Hüpfer aus. Ein fixes Drauftattschen öffnet die App mit dem wohlklingenden Namen “Echte Gefühle” und wie durch Geisterhand steht da auf dem Handydisplay folgendes:

“Ich weiß nicht, warum ich keinen Anruf von Ihnen erhalten habe, obwohl ich immer noch warte! Ich bin es, Jenny! Du hast es vielleicht vergessen, aber ich habe dir vor ein paar Wochen geschrieben. Ich habe Sie gebeten, zu meinem Profil zu gehen und mir zu schreiben, ich warte jeden Tag auf Ihren Brief. Ich habe meine Freunde bereits nach Ihrer Telefonnummer gefragt, um Sie anzurufen. Wenn überhaupt, habe ich meinen Spitznamen geändert und hier ist ein neuer: Jennyspam”

Zack, zack wird der emotionale Bleistifft angespitzt und eine Antwort formuliert:

“Liebe Jennyspam, danke für deine Nachricht. Ich habe schlechte Nachrichten für Sie: Ich habe mein Telefon mit allen Fotos von dir verloren. Durch ein Ungeschick (ich bin nicht Schuld!) fiel es mir in einen Tunnel aus guten Absichten. Bitte schicken Sie neue Fotos von ihnen (dir), damit ich mich an unsere Zeit (damals) in der Stadt erinnern kann. Ich warte (sehnsüchtig) sehnsüchtig. Gezeichnet (geschrieben) Garbor.”

Anschließendes Auf-und-Ab-Gelaufe durch Wohnzimmer-Küche-Bad wird durch ein In-Die-Hocke-Gehen vorm Kühlschrank abgerundet. Gin Tonic, Eis, grüne Gurke, Pfeffer und zack!

Sie haben keine neuen Nachrichten.

Zweite Runde Gin Tonic, aus Betterov wird Paula Hartmann, wird Mehnersmoos und eine ganze Packung Vogue, noch zwei Gin Tonic, gut 2 Stunden dann wieder blipp und das Rausch klatscht wieder rein.

“Und? Was schreibt sie, Garbi?”

“Warte Dünner, ich les vor: ‘Eine solche Situation, dass ich mich von meinem Mann scheiden ließ, der mich beim nicht befriedigte.
Er hatte, um ehrlich zu sein, Probleme mit einem Mitglied, er stand nicht gut da. Obwohl ich trotz alledem ein sehr attraktives Mädchen bin, habe ich eine schlanke Figur. Es ging nicht einmal um mich, na darum geht es nicht, ich will mich nicht an alles erinnern. Es gibt keine Barrieren für mich, dich zu treffen, ich bin frei! Und für Sie als Mann gibt es da sicher überhaupt keine Barrieren. Um sicherzustellen, dass ich interessiert bin, verlasse ich mein Profil: Jennyspam’ Anhang: jennyspam_real.jpg”

“Wow.”

“Ja, wow. Was machen wir jetzt?”

“Ich denke, wir schicken ihr Geld. Du siehst ja, in was für einer schwierigen Situation Jennyspam ist: Keine Barrieren heißt doch ganz klar, dass sie jetzt keinen Platz zum wohnen hat. Ich finde, da gebietet es die männliche Ehre (die einzig wahre Ehre!) zu helfen. Ganz selbstlos muss da jetzt sein. Ein rein un-transaktionalen Akt der Nächstenliebe braucht es da.”

“Dünner, du kannst meine Gedanken lesen. Das war genau das, was ich auch gedacht habe und ich danke dir für diese wahren, aber vor allem hintergedankenfreien Gedanken. Was meinst du: reichen 10.000 EUR erstmal?”

“Garbor, ich finde 10.000 EUR perfekt.”

Diesmal ist es ein anderes blipp, das die erfolgreiche Transaktion quittiert. Keine 4 Minuten vergehen, bevor sich unsere Herzensdame (schwöre!) wieder bei uns meldet:

“Liebe Herr. Ich habe eine schlechte Nachricht! Durch die Transaktion hat mein Mann von der Sache mitgekriegt und das Geld für sich selber genommen, als Geisel für unsere Scheidung. Bitte, wenn Sie mich wirklich so wollen wie ich Sie will, können Sie nochmal schicken? Mein neue Kontonummer, wo mein Ex-Mann dich nicht sehen kann, die Transaktion, ist unter meinem neuen Profil zu finden: jennyspam-1-neu”

Alles wird gut.

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Neinmalklug