Immerhin Frühling

Die Cafés sind voller Leinenhemden, Sonnenbrillen, guter Absichten und leichtem Seufzen.

Zwei junge Frauen in Rapha-Montur reparieren eine Rennradbremse und sprechen Französisch. Ein leises: “Wir haben es geschafft! Sicher, hier, eine neue Narbe, direkt über dem… und dort, dort ist irgendwas passiert, was ich mir nicht... aber immerhin: Frühling!”.

Und so sehr ich das glauben mag — irgendwas ist dieses Mal anders. Der alte Mann mit dem Fahrradhelm geht langsamer, und sein Lächeln friert ein, wenn er mich grüßt. Sieht man es mir an? Oder weiß er, dass ich es ihm ansehe? Der Stammgast raucht seine Zigaretten, als würde er sich im Rauch verstecken wollen. Das Kind im Wagen schaut mich an und nickt, als würde es sagen: “Tut mir leid.”

Ich will vermisst werden. Ich will, dass du mich vermisst. Dich nach mir sehnst, nach mir verzehrst, dass es dir schlecht geht, und mich begehrst. Ich will nicht, dass ich das will. Und doch. Ich will.

Es sind 25 Grad, die Menschen essen Eis und laufen durch die Kirschblüten. Alle tun so, als ob.

In meinem Kopf ist alles wie Kaugummi. Grauer Hubba Bubba, Geschmacksrichtung Styropor. Ich trage kurze Hosen und mir fällt auf, dass ich tätowiert bin. Sind das wirklich meine Beine? Oder eher sowas wie in einem Computerspiel, das mein Charakter trägt?

Meine Haare werden grau, meine Hoffnung dünner und ich habe Angst. Ich würde gerne glauben, aber ich kann nicht. Eine große Veränderung steht bevor und ich fürchte, es ist keine gute. Noch so einen Winter halte ich nicht aus.

In meinem Kopfhörer singt Scott Hutchinson:

“Death Dreams you don’t forget.
It’s been a while since I dreamed this but
Even now, when asleep, I’ll tread with care.”

Immerhin.

Frühling.

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Ich wünscht, ich wäre Influencer